Leben retten – mit dem Sportattest

Rund 1000 Jugendliche und Kinder versterben in Deutschland jedes Jahr am sogen. „plötzlichen (bzw. juvenilen) Herztod“ – doppelt so viele Opfer wie der Strassenverkehr unter Fussgängern fordert. Der (Haus-)Arzt hat es in der Hand, mit dem Sportattest und der damit einhergehenden Untersuchung Leben zu retten.

Der Fall des 13 jährigen Hamburger Jungen ist typisch: mitten während des Fussballspieles sank er ohne erkennbaren Grund in sich zusammen. Sofort dachte jeder an einen Unfall aus dem Spiel heraus.

Doch jeder Wiederbelebungsversuch blieb erfolglos und zurück blieb Trauer und Fassungslosigkeit. Klarheit brachte die Obduktion: eine bis dahin unerkannte und erblich bedingte Herzmuskelerkrankung (Hypertrophe Kardiomyopathie = HCMP), die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Studien belegen bei entsprechender Disposition sogar eine Verdoppelung dieses Risikos bei intensiven sportlichen Belastungen.  Der Tod kommt bei dieser Erkrankung völlig unerwartet. Eine Sensibilisierung der Eltern und wenige gezielte Fragen des Arztes zur Vor- und Familiengeschichte des Betroffenen sowie eine gründliche körperliche Untersuchung mit einem EKG, ggf. auch einem Ultraschall der Herzens -  und diese Tragödie wäre vermieden worden.

Die HCMP ist mit Abstand die häufigste Ursache. Fast die Hälfte der jugendlichen Todesfälle geht auf das Konto dieser vererbbaren Erkrankung. Aber auch Erkrankungen, die das Reizleitungssystem – also den Weg der elektrischen Ströme im Herzen -  betreffen oder schwere ebenfalls angeborene Fettstoffwechselstörungen, die zu einem Herzinfarkt führen können (juvenile Koronare Herzkrankheit), münden im plötzlichen, zunächst unerklärlichen Versterben der Betroffenen.

Es ist daher Aufgabe des sorgfältig arbeitenden Arztes, diese „Risikokinder“ zu identifizieren. Ein spezieller Fragenkatalog sowie eine gründliche körperliche Untersuchung helfen, Tragödien zu vermeiden.

200 Kinder/Jugendliche untersuchen, um 1 Leben zu retten


Eine kürzlich durchgeführten Studie an fast 200 Kindern zeigte bei 34% der Untersuchten zunächst auffällige Befunde, die allerdings als sogen. Normvarianten eingestuft wurden.  Bei einem Kind bestand jedoch akute Lebensgefahr aufgrund einer Anomalie der Herzkranzgefäße. Ein strenges Sportverbot hatte dem Kind vermutlich das Leben gerettet.

Rund 200-300 Euro (je nach Aufwand) kostet ein solcher Kardio-Check. Die Rechnung ist klar: 50000-60000 Euro kostet es, um ein jugendliches Leben zu retten. Zuviel für die Krankenkassen, denn die übernehmen diese Screening-Kosten nicht. Zahlen müssen daher  die Eltern. Oder der Verein.

Trotz aller medizinischer Umsicht resultieren 10-20 % der jugendlichen Todesfälle allerdings in reiner Unvernunft: nach einer auch noch so banalen Erkältung sind 14 Tage körperliche Schonung dringend  notwendig. Denn die Viren können das Herz lebensbedrohend angreifen und akut und auch dauerhaft schädigen.

Achtsamkeit gilt also generell und insbesondere auch bei körperlich anstrengenden Belastungen wie klassischerweise dem (Halb-) Marathon: pro 40.000 Teilnehmer und Lauf rechnet die Sportmedizin mit einem Todesfall. Ursache sind meist unerkannte Herzerkrankungen.

Daher der klare medizinische Rat:  Ihr behandelnder (Haus-) Arzt kann und sollte eine Sporttauglichkeitsuntersuchung durchführen. Eine im Ergebnis unauffällige gründliche körperliche Untersuchung sowie ein Belastungs-EKG sind unverzichtbare Voraussetzungen für das Ausstellen eines Sportattestes (siehe Beispiel).

Bild einer Hypertrophen Kardiomyopathie (HCM): der erfahrene Untersucher erkennt hier sofort die deutliche Verdickung der Herzmuskulatur